Holzasche oder Holzkohle

Über 400 Holzvergasungsanlagen sind in Deutschland mittlerweile in Betrieb. Der Anfall von Teeren, Holzkoks und Asche ist aber nach wie vor ein Problem. Während es in den vergangenen Jahren zunehmend gelang, den Anfall von Teer zu beherrschen, und auch die Anlagentechnik robuster wurde, bleibt der Umgang mit festen Rückständen eine Aufgabe, der sich die Anlagenhersteller
und -betreiber stellen müssen. Da Anfall und Zusammensetzung dieser Reststoffe nicht nur vom Vergasersystem und der Betriebsweise, sondern auch von Art und Qualität der eingesetzten Brennstoffe abhängen, ist für jede Anlage ein passendes Entsorgungskonzept erforderlich. Das Ziel des Betreibers muss eine bestmögliche Ausnutzung des Brennstoffs und die sachgerechte Verwertung oder Beseitigung der Reststoffe sein. Diese bestehen im Idealfall allein aus den von der Biomasse mitgebrachten mineralischen Anteilen; das sind hauptsächlich Oxide und Karbonate des Kaliums, Kalziums, Magnesiums und Siliziums. Unter den mineralischen Bestandteilen sind einzig die Schwermetalle
problematisch. „Besonders bei hohen Rindenanteilen im Ausgangsholz sind zum Beispiel Einträge von Cadmium kritisch“, sagt Dieter Bräkow, Koordinator der Arbeitsgruppe „Vergasung von Biomasse“ in der Fördergesellschaft Erneuerbare Energien e.V. (FEE). Diese vernetzt die Holzvergasungsbranche im deutschsprachigen Raum; unter anderem mit der Wissenschaft, um gemeinsam
technische Lösungen und Anwendungen voranzubringen. Je nach Vergasungsprinzip – Festbett-Gegenstrom, Gleichstrom oder Wirbelbett – verbleiben außerdem mehr oder weniger unvollständig umgesetzte organische, also kohlenstoffbasierte Bestandteile. „Es gibt nicht den einen Reststoff der Holzvergasung“, erklärt Bräkow, „durch Kombination von Vergasung und Rohgasreinigung mit hinzukommend unterschiedlichen internen Reststoff-Nachbehandlungen und Ausschleuseprozeduren ergibt sich ein Spektrum von Reststoff-Gemischen“. Die Praxis reiche von pulverförmigen, weißen Holzaschen bis zu fester, schwarz glänzender Holzvergasungskohle. „Von der Farbe und Form der Reststoffe kann keinesfalls auf den Schadstoffgehalt geschlossen werden. Es kann nicht gefolgert werden: Wer schwarze Kohle hat, hat viele Schadstoffe“, so der Experte. Genauso wenig gilt der Umkehrschluss: „Wer graue Asche hat, hat keine Schadstoffe“. „Ziel der thermochemischen Vergasung von Biomasse ist in der Regel die maximale Umwandlung der Kohlenwasserstoffverbindungen zu Gasen, sodass nur Asche bleibt.“ Reststoff-Strategien: Ob hauptsächlich Holzasche oder Holzkohle entsteht, hängt vom Verfahren ab. Eine Umfrage der FEE ergab, dass von den ersten 20 in Deutschland und Österreich stabil betriebenen Verfahrenskombinationen 16 auf die Abgabe von Holzasche ausgerichtet sind und nur vier Hersteller verfahrensbedingt kohlenstoffreiche Reststoffe ausschleusen. Einer dieser Anbieter, die Syncraft Engineering GmbH aus Österreich, gibt bereits keinen Rückstand mehr ab, sondern
das Nebenprodukt „Premium Biokohle“, gemäß der Richtlinie des European Biochar Certificate für die Produktion von Pflanzenkohle.
Gesamter Artikel in: energie AUS PFLANZEN, 04/2016