Aus Abfall Gewinn machen

17. Juli 2020

Biokohle als CO2-Speicher kann für die Biomasse-Verstromung der Image- Pluspunkt schlechthin werden. Doch derzeit stehen die wirtschaftlichen Chancen für Vergasungsanlagen nicht gut. Dabei gibt es wirklich positive Ansätze.

Biokohle kann, was sonst kein erneuerbarer Energieträger kann: CO2 dauerhaft binden. Die Biokohle ist zwar nur ein Abfallprodukt bei der Verstromung von Biomasse, trotzdem hatte sie bei der 10. Internationalen Anwenderkonferenz Biomassevergasung IAKB in Innsbruck hohen Stellenwert. Immerhin gibt es mittlerweile Anlagen, die vermarktbare Biokohle produzieren und so aus dem Abfall einen Gewinn ziehen. Laut Dr. Jitka Hrbek von der Internationalen Energieagentur (IEA) erzeugen Anlagen der Hersteller Syncraft und Xylowatt als Nebenprodukt Kohle, die als Bodenverbesserer (Terra preta), Filter (Aktivkohle), Grillkohle, Rohstoff für die Stahlproduktion, Energieträger zum Ersatz fossiler Kohle oder zur Fütterung von Tieren verwendet werden könne. An weiteren Einsatzfeldern, wie etwa in der Medizin, wird noch geforscht. Der Umgang mit Vergasungs-Reststoffen richtet sich vor allem danach, ob aus dem Prozess mehr Kohle oder mehr Asche ausgeschleust wird. Selbst ohne Markt stiftet die Biokohle einen Nutzen. Die Kohle kann, was sonst keine erneuerbare Energie kann: CO2 speichern! „Ich glaube daran, dass die Biokohle die Absolution der Bioenergie ist“, sagte Marcel Huber, Geschäftsführer der Syncraft Engineering GmbH. Zwei seiner Vergaser arbeiten seit 2018 im Fernheizwerk Laas-Eyrs in Südtirol, dem auch ein BHKW mit 957 kWel angeschlossen ist. Wie Heizwart Hugo Trenkwalder in Innsbruck schilderte, fallen täglich 10 m³ Holzkohle an, die die Richtlinie des European Biochar Certificate einhält. Letztes Jahr habe man begonnen, einen Teil der Kohle an die Alpenkohle GmbH im Tiroler Landeck zu liefern. Das Start-up-Unternehmen presst aus dem Material Grillkohle oder vermarktet es in Bigbags bis zu 2,5 m³.

„Ich glaube daran, dass die Biokohle die Absolution der Bioenergie ist.“
Marcel Huber, Syncraft Engineering GmbH

Die Energiegenossenschaft Laas-Eyrs wagt mit ihrer Anlage den zweiten Anlauf: Die Südtiroler errichteten schon 2012 eine Holzvergasungsanlage, die aber nicht wunschgemäß lief. Ein Brand im Heizwerk im Jahr 2014 beendete zunächst das Vergasungs-Abenteuer, ehe steigender Wärmebedarf 2018 zur Investition in die Syncraft-Anlage führte. Die Konferenz legte auch den Blick auf das Wohl und Wehe von Holzvergasungsanlagen. Weltweit die meisten Holzvergasungsanlagen gibt es in Deutschland. Über 400 erzeugen hier Strom und es gibt auch die meisten Anlagenhersteller. Dr. Georg Wagener- Lohse von der Fördergesellschaft Erneuerbare Energien (FEE) erklärte die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen und zu erwartenden Entwicklungen in Deutschland. Davon gibt es einige. Das Klimapaket der Bundesregierung enthält gravierende Änderungen: Die Einführung der CO2-Bepreisung, der Kohleausstieg und die Neuauflage des Kraft-Wärme- Kopplungs-Gesetzes (KWKG) dürften sich erheblich auf künftige Biomasseprojekte mit Vergasungstechnologie auswirken. Diese Technik hat durchaus Relevanz – hinsichtlich ihres Beitrags zur Energiewende. Die FEE hat Berechnungen angestellt, wonach die Holzvergasung 1,4 bis 1,6 t CO2 je MWh Strom vermeidet. Auch Strom aus fester Biomasse müsse also einen angemessenen Anteil am Energiemix haben, meinte Wagener-Lohse. Das Problem sei, dass nach den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum ein wirtschaftlicher Betrieb möglich sei. Neue Perspektiven erhofft sich die Branche durch die Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG), wobei ein Bonus für erneuerbare Wärme eingeführt werden solle.

Beispiele des Energieexperten zeigten jedoch, dass die Förderung über das KWKG selbst mit einem Wärmebonus von 5,5 ct/kWh keine Wirtschaftlichkeit gewährleiste. Inwieweit die Biomassevergasung eine künftige Säule der Gasversorgung in Österreich sein kann, beleuchtete Christoph Strasser. Der Forscher von der BEST–Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH stellte eine Potenzialstudie für erneuerbares Gas aus Biomethan und synthetischem Gas vor. Während er den aktuellen Gasbedarf in Österreich auf jährlich 8,1 Mrd. m³ bezifferte, gab er das Methanpotenzial im Jahr 2050 mit rund 4 Mrd. m³ an. Biomethan könnte dann also etwa die Hälfte des Erdgasbedarfs in Österreich decken. Diese Größe basiert auf einer etwa fünfzigprozentigen Zunahme der Biomassenutzung gegenüber dem Status Quo. Auch die forstliche Holzbiomasse lasse sich von zehn auf fast 15 Mio. t steigern, so Strasser. Zum einen begünstige das mildere Klima die Wuchsbedingungen, zum anderen sei der Umbau in Laub- Mischwälder positiv für die Holzenergie, denn bei Laubbäumen bleibe mehr Restholz. Der TU Wien ist es in einem Experiment bereits gelungen, hochreinen, 99-prozentigen Bio-Wasserstoff zu produzieren. Das Ziel der Wiener Forschungsgruppe von Dr. Stefan Müller ist es nun, mit Rest- und Abfallstoffen wie Bioabfällen, Klärschlamm, Mist und CO2 den an der TU entwickelten Prozess so zu steuern, dass weitere Grundchemikalien hergestellt werden können. Hierzu plane man den Bau einer Demoanlage in Wien Simmering in Kooperation mit dem städtischen Versorger Wien-Energie. Doch der Forscher beschrieb auch, wie schwer es bestehende Anlagen mit der Dampfvergasung haben. Im burgenländischen Güssing ist kein wirtschaftlicher Betrieb mehr möglich, seit der Ökostromtarif ausgelaufen ist und sich der Brennstoffpreis verdoppelt hat. Außer Betrieb genommen worden seien auch die größten Anlagen mit der Technologie in Senden bei Ulm und in Göteborg/ Schweden, wo aus Holzpellets Methan mit Erdgasqualität produziert wurde.

Biomethan könnte bis 2050 in Österreich die Hälfte des Erdgas ersetzen.

Auch andere Praxisanlagen haben es schwer. In Grassau am Chiemsee ging der mit Risikokapital finanzierte Agnion- Heatpipe-Reformer insolvent. „Wir konnten das Vergasergebäude aus der Insolvenzmasse herauskaufen“, erzählte Biomassehof-Geschäftsführer Wolfgang Wimmer. Nach dem Umbau sei 2016 der erste von mittlerweile vier Burkhardt-Pelletsvergasern in Betrieb gegangen. Die Praxisberichte zeigten, dass starke Wärmekonzepte für die Wirtschaftlichkeit der Holzvergasungsanlagen unabdingbar sind. Wichtig ist die Wärmeabnahme im Sommer. Johann Fries aus Falkenstein versorgt zum Beispiel das Freibad. Ansonsten setzt er überschüssige Wärme im Sommer auch zur Brennstofftrocknung ein. Deutlich wurde aber auch, dass die Förderungen durch Einspeisevergütungen für den Strom heute kaum noch so bestehen wie zu Beginn der Praxisanlagen. Das Fördersystem mit 28 ct/kWh ist in Italien schon Ende 2012 ausgelaufen. In der Schweiz ist zwar noch eine „kostenorientierte Einspeisevergütung“ möglich. Wegen Übernachfrage gibt es eine lange Warteliste. Die Anlage in Falkenstein wird nach dem EEG 2014 betrieben, dessen Tarife 2017 erheblich gekürzt wurden. In Grassau gelang es, für einen Teil der Leistung den EEG-Einspeisevertrag eines stillgelegten Pflanzenöl-BHKW zu erwerben und dessen Restlaufzeit zu übernehmen. Eine zusätzliche Einnahmequelle wird da wohl kaum jemand ausschlagen. Der Hoffnungsträger Biokohle dürfte gerade recht kommen.

 

Hier finden Sie den originalen Artikel aus dem Bayrischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt: Aus Abfall Gewinn machen | Christian Dany, BLW 21

Artikel von Christian Dany | BLW 21, 22.05.2020 | ENERGIE, S. 44, 45

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